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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Wie geht es weiter mit dem Stadtmarketing?

Die Stadt Bautzen hat viele Stärken, doch die überregionale Wahrnehmung ist sehr ernüchternd. Bautzen ist schuldenfrei, wirtschaftlich überdurchschnittlich gut aufgestellt und mit der Geburtenrate erzielen wir deutschlandweit einen Spitzenwert. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der realen Stadtentwicklung und dem Image“. So lautet das Resümee der Dresdener Agentur MinneMedia, die sich im Auftrag der Stadtverwaltung ein Jahr lang mit dem Thema und mit unterschiedlichsten Akteuren in der Stadt auseinandergesetzt hat. Die Studie hatte das Amt für Pressearbeit und Stadtmarketing in Auftrag gegeben. Für Leiter André Wucht war es eine Art Hilferuf. „Wir haben uns vor etwa 10 Jahren erstmals intensiv mit der Thematik Stadtmarketing befasst und nun war es an der Zeit für ein erstes Fazit“. Schon damals war den Verantwortlichen grundsätzlich klar, dass die Vermarktung von Tourismus, Wirtschaft und Kultur einen sehr hohen Stellenwert einnehmen muss. Leider war die Umsetzung aus Sicht des Leiters nicht konsequent genug: „Die Aufgabe wurde der Pressestelle zugeordnet, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das war thematisch sinnvoll. Leider musste das dreiköpfige Team ohne weitere personelle Verstärkung und ohne nennenswerte finanzielle Mittel auskommen. Das konnte auf Dauer nicht funktionieren“. Zudem wurden in der Stadt sehr hohe Erwartungen geweckt, die bei allen Bemühungen und selbst bei höchstem eigenen Anspruch der Verantwortlichen am Ende nicht zu erfüllen waren. Parallel sank die Qualität der Pressearbeit, die unverändert in André Wuchts Verantwortung blieb: „Wir haben es nicht mehr geschafft, den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt die Verwaltung, unsere Ziele und Projekte zu erklären. Das ist sehr bedauerlich“.

Doch so untätig, wie es derzeit in einigen regionalen Medien dargestellt wird, war man keinesfalls. So erhielten Publikationen der Stadt ein komplett neues und frisches Erscheinungsbild und viele Einrichtungen diverse neue Informationsmaterialien. Die wurden besser auf Zielgruppen ausgerichtet. Dies gilt auch für die Teilnahme an touristischen Messen. Mit einer Offensive in sozialen Medien spielte Bautzen vor wenigen Jahren deutschlandweit noch eine Vorreiterrolle und auch diverse andere Produkte sind Trendsetter. Dazu zählt Wucht das moderne Fußgängerleitsystem und den Musikpfad als komplett neu entwickeltes Produkt zur touristischen Vermittlung von Stadtgeschichte. „Wir haben große Arbeitsgruppen ins Leben gerufen – für Akteure in der Innenstadt und Anlieger an der Talsperre. Gemeinsam haben wir zum Beispiel den Weihnachtsmarkt als Wenzelsmarkt neu erfunden, die Kräfte für die Vermarktung des Osterfestes gebündelt und eine erfolgreiche City-Managerin installiert“. Dabei legt André Wucht besonderen Wert auf die vielen Ehrenamtlichen und Institutionen, die seine Arbeit unterstützen: „Stadtmarketing ist keine alleinige Aufgabe der Verwaltung. Das Thema geht uns alle etwas an und wir müssen alle gemeinsam für ein positives Image kämpfen und arbeiten“. Da sei man aus seiner Sicht auf einem guten Weg.

Die Dresdener Agentur MinneMedia erkennt diese vielen positiven Aspekte in ihrem nun veröffentlichten „Handlungshandbuch für das Stadtmarketing der Stadt Bautzen“ durchaus an. Gleichzeitig macht die Agentur klar, dass mit dem vorhandenen Personal und den aktuellen Strukturen mehr nicht zu leisten ist. Hier muss sich die Stadt klar positionieren: Wenn Die Stadt ihr Image überregional verbessern will – und das Potential ist ohne Frage vorhanden – muss sie sich im Stadtmarketing möglichst zeitnah neu aufstellen. Empfohlen werden zwei Wege. So könnten Teilbereiche der Arbeit ausgegliedert und einer Agentur oder einer GmbH übertragen werden. Will die politische Führung die Fäden aber komplett selber in der Hand behalten, muss sie sich neu aufstellen. Ganz wesentlich dabei ist die Schaffung einer neuen Stelle für die Koordinierung des Stadtmarketings. Einem kompetenten Leiter müssten dann die Bereiche Wirtschaft, Tourismus und Kultur direkt unterstellt werden. Zudem braucht Stadtmarketing konkrete politische Vorgaben: Wo will die Stadt hin, welche Schwerpunkte setzt sie? Fragen, die der jüngst eingeleitete Prozess zu einem neuen Leitbild beantworten soll.

Stadtmarketing kostet aber auch Geld. Der zusätzliche Mitarbeiter sollte entsprechend entlohnt werden und Werbekampagnen sind nicht umsonst zu haben. Der Stadtrat gab in seiner Sitzung am 31. Januar diesbezüglich zunächst positive Signale. Die Abgeordneten beauftragten die Verwaltung nahezu einstimmig mit der Prüfung der beiden Strukturvorschläge. Noch in diesem Jahr soll Klarheit über die Zukunft des Stadtmarketings geschaffen werden.

 

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