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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Flüchtling macht Praktikum in der Stadtverwaltung

Aman Mizel wurde in Palästina geboren und lebte lange Zeit im Flüchtlingslager Yarmouk bei Damaskus. Dort bewohnte er eine große Wohnung mit seinen Eltern und seiner Familie. Er hat 6 Kinder – drei Töchter und drei Söhne. Von 1989 bis 2005 arbeitete Mizel als Beamter im Ministerium Landwirtschaft, später im Immobilienhandel. Das änderte sich, als 2011 in Syrien der Krieg begann. „Am 1. Januar 2013 fuhren wir nach dem Libanon als Flüchtlinge, unser Leben war sehr schwierig“, so Mizel. „Weil es keine Arbeit gibt, konnte ich kein Geld verdienen und das Leben in Libanon ist sehr teuer, aber auch Schulen, aus diesem Grund kann ich meine Kinder nicht in der Schule anmelden“.

Ende 2014 beschloss er, aus dem Libanon zu fliehen. Das war nicht einfach. Zunächst kam er mit einem Visum in den Sudan, von dort begann der lange Weg nach Europa. Die gefährliche Reise begann mit einer Fahrt durch die Wüste nach Libyen. Mizel: „Das waren die gefährlichsten Tagen meins Lebens überhaupt“. Von Libyen fuhr er mit dem Boot nach Italien. „Das Boot war für 40 Menschen vorgesehen, aber es waren 200 Frauen, Männer und Kinder an Bord. Die Reise begann 11.00 Uhr in der Nacht“. In dieser Nacht war das Meer relativ unruhig, jedoch die Fahrt begann. Am nächsten Tag nahm der Wind zu, die Wellen schlugen höher. An Schlaf war an diesen beiden Tagen nicht zu denken. Die Italienische Küstenwache ignorierte die Hilferufe nach Rettung, nicht nur aus Mizels Boot sondern auch aus vielen anderen Flüchtlingsbooten. Erst nach einer weiteren dramatischen Nacht zwischen Leben und Tod eilte ein Holländischer Öltanker zu Hilfe, der die Flüchtlinge auf die italienische Insel Messelena brachte. Von dort ging die Flucht weiter über Mailand nach Chemnitz und schließlich in das ehemalige Spreehotel Bautzen.

Ende des Jahres 2015 erhielt Aman Mizel eine Aufenthaltsgenehmigung und setzte sich umgehend mit dem Jobcenter in Verbindung. Mit Hilfe von Herrn Rausch fand er eine Wohnung in der Kesselstraße bei Herrn Dr. Kaulfürst. „Ich bleib ohne Arbeit bis Januar 2016, und bekomme das Geld von Jobcenter, eigentlich war ich mit mir selbst nicht zufrieden, weil ich das Geld ohne Arbeit bekomme“. Dr. Kaulfürst ermöglichte Aman Mizel ab Februar 2015 eine Teilzeit-Anstellung in seiner Praxis, 2 Stunden am Tag. Wenig später folgte Mizels Familie nach Bautzen. „Wir möchten in Bautzen bleiben. Ich habe schon meine Töchter in der Schule angemeldet, auch meine Frau besucht den Sprachkurs“. Seine 18-jährige Tochter lernt ebenfalls die Sprache und möchte gerne eine Berufsausbildung als Krankschwester machen. Seine kleine Tochter besucht die 4. Klasse und fühlt sich auch sehr wohl hier. Sie hat sich ganz fest vorgenommen, in Bautzen das Abitur zu schaffen.

Oberbürgermeister Alexander Ahrens gab Aman Mizel die Chance, im Büro für Bürgerdialog in der Stadtverwaltung ein Praktikum zu machen. Hier kann er weiter an seiner Sprache arbeiten und Computerkenntnisse erlangen. Für Mizel ist es eine große Chance. Wie es nach dem mehrwöchigen Praktikum weiter geht, ist allerdings noch offen.

Aman Mizel (li) und Oberbürgermeister Alexander Ahrens

 

 

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